Jobmotor Marke - Markenartikler treffen Hochschule, 10.12.2010

Welche Perspektiven die Markenindustrie angehenden Wirtschaftswissenschaftlern bietet: spannende Einblicke in die Arbeitswelt der Marke auf dem Campus Essen.


„Wir haben immer offene Ohren für die Anforderungen der Industrie an unsere Absolventen", leitete Prof. Dr. Hendrik Schröder das Forum „Markenartikler treffen Hochschule" auf dem Campus Essen ein. Dort trafen sich wieder einmal zahlreiche Studierende mit Vertretern der Markenartikel-Industrie zu Fachvorträgen und direktem Austausch.

Prof. Schröder, Lehrstuhlinhaber für Marketing an der Uni Essen-Duisburg, stellte klar, dass Wirtschaftswissenschaftler aus ihren Praktika in Handel und Industrie heute „sehr wohl Praxiserfahrung" mit ins Unternehmen bringen und belegte dies mit den Biografien einiger Absolventen an seinem Lehrstuhl. Inzwischen habe auch die Uni eine ganze Reihe praxisorientierter Module entwickelt, um die „Verzahnung zwischen Hochschule und Praxis" sicherzustellen. Dazu gehören Category Management und bald auch Marktforschung mit der Software Spaceman von Nielsen.

Dass einschlägige Erfahrungen mit den Methoden der modernen Marktforschung die Türen in Marketing und Vertrieb der Industrie öffnen helfen, betonten dann auch die Referentinnen der Industrie.

Kristin Rademacher, die in Essen mit dem Schwerpunkt Category Management studiert hatte und heute bei Mars arbeitet, erläuterte den wichtigen Faktor „Impulsivität" im Geschäft mit Riegeln. „Der Riegel ist der impulsivste Artikel überhaupt in der Süßware", zitierte sie das Ergebnis einer Umfrage. Dieses Know-how über die Konsumenten bilde die Basis für die Beratung des Handels, die Planung am PoS und die Optimierung der Süßwarenabteilung.

Kristin Rademachers Kollegin Helen Schmidt erläuterte die Kategorie Tiernahrung, die mit einem Gesamtumsatz von 3 Mrd. Euro und einer Wachstumsrate von zuletzt 3 Prozent ebenfalls zu den Markenartikeln mit Perspektive zählen. Auch sie stellte klar: Fundierte Marktforschung ist das A und O im Job. Nur auf ihrer Basis kann ein systematischer, für den Handel erfolgversprechender Regalaufbau geplant werden. Sandra Isserstedt unterstrich in ihrem Kurzportrait von Mars, dass im Rahmen der offenen Firmenkultur „Teamarbeit groß geschrieben" werde.

Manuela Weiler von Bitburger stellte den Biermarkt mit seinen Strukturen, regionalen Besonderheiten und Konsumtrends vor: „Ein sehr interessanter Markt mit 1.200 Brauern und mehr als 5.000 Marken." Der jedoch sehr detaillierte Erkenntnisse über den Konsumenten und seine Gewohnheiten erfordere. Ohne Marktforschung laufe auch hier nichts, betonte Weiler. Eine Erkenntnis: „Im Vergleich zum impulsgetriebenen Riegel ist Bier ein typischer Plankauf." Category Manager bei Bitburger richten ihren Fokus deshalb auf einen optimalen Kundenservice am PoS. In der Diskussion stellten die Essener Studenten ihre praktischen Kenntnisse umgehend unter Beweis: Ob denn Category Management im Abholmarkt überhaupt schon eine Rolle spiele? Weiler: „Sie haben Recht. Abholmärkte haben tatsächlich Nachholbedarf." Nathalie Richou, Category Managerin bei Coca-Cola, hatte eine Offerte m Gepäck: „Wir suchen laufend Praktikanten und Trainees." Sie erläuterte en détail ein 2010 realisiertes Category-Management-Projekt bei Metro Cash+Carry, das Kiosken, Tankstellen und anderen Convenience-Kanälen eine Optimierung ihrer AfG-Sortimente erlaubt. „Wir haben damit relativ kurzfristig Erfolge erzielt", so Richou. Die Anforderungen von Coca-Cola an Bewerber umriss sie so: „Begeisterungsfähig für unser Unternehmen und unsere Produkte, Eigendynamik und Überzeugungskraft."

„Vertrieb – ist das Klinkenputzen oder Karrierechance?" Mit dieser zugespitzten Frage hatte Danone-Managerin Julia Steiner auch am Ende des Forums aufmerksame Zuhörer. Man wisse aus der Praxis, dass der Vertrieb Imageprobleme habe. Dabei biete er „sensationelle Einstiegschancen" mit im Schnitt 45.000 Euro Anfangsgehalt und „sehr gute Aufstiegsmöglichkeiten". Vertrieb im modernen Markenunternehmen – das sei ein sehr weit gefasster Bereich mit zahlreichen Funktionen. Die große Herausforderung ist Steiner zufolge die Konzentration im Handel, die wenige Unternehmen zum „Gatekeeper zwischen Hersteller und Verbraucher" mache – und entsprechend das Profil des Vertriebsmanagers präge. Steiner: „Aus dem klassischen Verkäufer von gestern ist der Key Accounter geworden, der Wirtschaftlichkeit und Problemlösungen verkaufen, aber auch für seine Produkte brennen muss."

Quelle: http://www.lebensmittelpraxis.de/industrie/management/1486-jobmotor-marke.html

Text: Bernd Liening, 14. Januar 2011

     

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